Kommen wir jetzt aber mal zum eigentlichen Punkt, warum ich so gerne meinen Kapselkaffee trinke.
Präzisions-Portionierung ist hier das erste Stichwort. Du verbrauchst nur exakt 7 Gramm Kaffee und keinen Krümel mehr. Kein weggeschütteter Rest aus der Kanne, keine Wasserverschwendung. Effizienz hat auch Öko-Chic!
Außerdem kann ich mehr von meinem Lieblings – Lungo schlürfen und der Herzschlag bleibt trotzdem ruhig. Gute Hersteller von Lungo Kapseln setzen fast ausschließlich auf die edlere Arabica-Bohne. Im Vergleich zur rustikalen Robusta-Bohne, die dich mit ihrem Koffeingehalt wie ein Vorschlaghammer trifft, ist Arabica eher der sanfte Poet.
* Robusta: Koffein-Gehalt ca. 2,0 % – 4,5 %
* Arabica: Koffein-Gehalt ca. 1,1% – 1,7 %
Mathematisch gesehen (und ich biege das jetzt mal passend) bedeutet das: Du musst praktisch zwei bis drei Kapseln trinken, um überhaupt auf das physiologische Betriebsniveau eines „echten“ Kaffees zu kommen. Das ist dann kein Exzess. Es ist nur notwendige Volumenausgleichsrechnung und die funktioniert sogar abends noch!

Warum schmeckt mir die Kapsel nun wirklich besser als die traurige Plörre aus der French Press oder dem Filter? Es ist die physikalische Magie der 9 Bar.
Bei der French Press badet das Kaffeemehl minutenlang im Wasser wie in einer lauwarmen Badewanne. Dabei lösen sich Bitterstoffe, die eigentlich niemand will. Dem kann man sich nur teilweise entziehen, indem man möglichst bald alles in eine Warmhaltekanne schüttet. Filterkaffee gilt zwar als simpel und trotz Filter als umweltfreundlich, wird aber selten wirklich gut zubereitet. Die Hauptgründe, warum er häufig bitter, wässrig oder sogar sauer schmeckt, liegen in den unzähligen Fehlern bei den Zubereitungsvariablen: Falscher Mahlgrad, altes Pulver, zu heiße Wassertemperatur, fehlendes Blooming oder was weiß ich noch. Richtig geschmeckt hat er mir -wie auch der French Press- eigentlich noch nie.
Die Kapselmaschine ist hingegen der Sprinter unter den Zubereitern. Bei 9 Bar schießt das Wasser in Rekordzeit durch das Pulver. Dieser kurze, heftige Flirt extrahiert nur die feinen Öle und Aromen, bevor die Bitterkeit überhaupt merkt, dass die Party angefangen hat.
Das Ergebnis? Eine Crema, die so stabil ist, dass man darauf ein Häuschen bauen könnte, und ein Geschmack, der bei jeder Kapsel so präzise ist wie ein Schweizer Uhrwerk.
Und glaubt mir, es sind die idealen 9 Bar, die unmittelbar auf das Kaffeepulver einwirken und das Beste aus ihm rausholen. Unter 7 Bar wird der Kaffee ansonsten wässrig und die Crema ist dahin. Über 11 Bar fängt er dann an bitter zu schmecken. Wenn eure Geräte mit 15 oder noch mehr Bar beworben werden, seid sicher, dass damit lediglich der maximale Pumpendruck gemeint ist, den die Maschine überhaupt leisten kann. Der kommt aber -Gott sei Dank – als Brühdruck niemals am Kaffeepulver an!