Der Kaffeejunkie

Volumenausgleichsrechnung statt Exzess

Kommen wir jetzt aber mal zum eigentlichen Punkt.

Warum Lungo – Kapseln?

Weil ich so mehr schlürfen kann und der Herzschlag trotzdem ruhig bleibt. Der Grund heisst Arabica. Ich setzte fast ausschließlich auf die edle Arabica-Bohne in den Kapseln. Sie ist der sanfte Poet unter den Kaffeebohnen, während die rustikale Robusta einen mit dem Koffein-Vorschlaghammer trifft.

Rein mathematisch betrachtet – und ich biege mir das hier fachgerecht zurecht – muss ich drei Kapseln trinken, um überhaupt das physiologische Betriebsniveau eines ,echten‘ Kaffees zu erreichen. Das ist kein Exzess, das ist notwendige Volumenausgleichsrechnung, die sogar abends noch funktioniert.

Kaffeezubereitung ist keine Kunst, es ist angewandte Physik.

Bei der French Press badet das Kaffeemehl minutenlang im Wasser wie in einer lauwarmen Badewanne. Dabei lösen sich Bitterstoffe, die eigentlich niemand will. Filterkaffee gilt zwar als simpel und trotz Filters als umweltfreundlich, wird aber selten wirklich gut zubereitet. Die Folge, er ist häufig bitter, wässrig oder manchmal sogar sauer. Richtig geschmeckt hat er mir – wie auch der French Press – eigentlich noch nie.

Die physikalische Magie der 9 Bar

Die Kapselmaschine ist hingegen der Sprinter unter den Zubereitern. Bei 9 Bar schießt das Wasser in Rekordzeit durch das Pulver. Dieser kurze, heftige Flirt extrahiert nur die feinen Öle und Aromen, bevor die Bitterkeit überhaupt merkt, dass die Party angefangen hat.

Das Ergebnis ist eine Crema, die so stabil ist, dass man darauf ein Häuschen bauen könnte, und ein Geschmack, der bei jeder Kapsel so präzise ist wie ein Schweizer Uhrwerk.