Der lange Espresso…..
Bei aller Abenteuerlust gibt es eine Sache, bei der ich keine Kompromisse mache:
Mein Kaffee.
Manche bunkern Goldbarren, ich bunkere Lungo-Kapseln. In den Tiefen von Mr.Neros Stauraum lagert ein Kapselvorrat, der vermutlich bis nach Wladiwostok reichen würde.
Der Vorrat ist so groß, dass Mr. Nero gefühlte 2 Zentimeter tiefer liegt. Aber ohne das vertraute Zischen meiner Dolce Gusto Maschine beginnt der Tag jenseits der Komfortzone gar nicht erst.

Spätestens hier bekommen ökologisch bewusste Geister schon ordentlich Puls. Gilt doch die Kapselmaschine als das rote Tuch der Nachhaltigkeitsszene. Aluminium, Verbundkunststoffe, der Preis und natürlich die Ökobilanz.
Ich will dem auch gar nicht in allen Punkten widersprechen und erst recht kein Greenwashing betreiben und ja, vielleicht sind Kapseln auch tatsächlich der SUV der Kaffeezubereitung. Aber was macht man, wenn einem French Press- oder Filterkaffee einfach überhaupt nicht schmecken und man dem Genuss eines schönen Lungos, dem Kompromiss aus der Intensität eines Espressos und der sanften Länge eines Kaffees, einfach verfallen ist. Schon wenn der Lungo in die Tasse läuft, bildet sich eine dichte haselnussbraune bis goldbraune Crema und ein Duft aus Röstnoten mit leicht schokoladigen und nussigen Nuancen entfaltet sich. Da werde ich regelmäßig schwach. Das bekommt man allerdings nur hin, wenn man mit einer Kapselmaschine unterwegs ist. Wer schleppt schon einen 12 kg schweren Vollautomaten durch die Lande.
Früher war die Kapsel der Paria des Gelben Sacks. Heute gehören die Kaffeekapseln von Herstellern, die freiwillig beim Grünen Punkt lizenziert sind, nach Gebrauch samt Kaffeesatz in den Gelben Sack oder in die Gelbe Tonne. Richtig entsorgt, kann der Kunststoff der Kapseln dann dem Recycling zugeführt und erneut als Wertstoff verwendet werden. Und damit das Ganze beim Recycling besser erkannt werden kann, verwenden viele Hersteller heutzutage nicht mehr schwarz eingefärbte, sondern braune Kapseln.
Und um auch noch endlich mit den ständigen Aluminium Fantasien einiger Ewiggestrigen aufzuräumen: Nur noch die Abdeckung auf der Kapsel ist aus einer 0,03 mm dicken Aluminiumfolie und die hat ein durchschnittliches Gewicht von lediglich 0,07 gr. Auch ein 500 gr. Paket Kaffee, egal ob gemahlen oder Bohne, steckt in einer Aluminiumtüte (neudeutsch: Aluminium-Verbundfolien-Verpackung) und wiegt dabei ungefähr 17 gr. Umgerechnet bedeutet das, dass es mehr als 240 Kapseln braucht, um auf das Aluminiumgewicht einer einzigen 500gr. Kaffeetüte zu kommen. In den Kapseln befinden sich dann aber 1.680 gr. Kaffeemehl. Aber weder in dem einen noch in dem anderen Fall ist das besonders relevant. Aluminium ist im Grunde das Gold des kleinen Mannes. Es lässt sich unendlich oft recyceln und ist jedesmal qualitativ nahezu gleichwertig mit Primäraluminium.
Jetzt habe ich mich doch hinreißen lassen. Aber wenn man ob seiner Kapseln ständig als Aluminium Umweltsünder betitelt wird, bedarf es hier und dort doch mal einer Klarstellung. Natürlich bleibt das Problem mit dem Kunststoff, aber den Schuh muss sich wohl jeder anziehen, der einkaufen geht oder sich verpackte Sachen liefern lässt.