Das ist eine berechtigte Frage und die Antwort liegt wahrscheinlich irgendwo zwischen einer kleinen verbliebenen Abenteuerlust, einer großen Neugier, dem Wunsch nach Sinnstiftung im Alter und auch einer winzigen Prise Rebellion gegen die Konformität.
Viele Menschen in meinem Alter suchen die Sicherheit. Sie kaufen sich E-Bikes für den Stadtpark, buchen Kreuzfahrten oder fahren immer wieder an denselben Urlaubsort. Das ist völlig okay, aber es ist nicht meine Welt.
Manche sagen, mit 70 sollte man es ruhiger angehen lassen. Schön und gut, aber ich möchte nicht nur an den immer gleichen Routinen festhalten und dabei auf der Stelle treten, denn ich befürchte, ansonsten ein Stück Flexibilität und Offenheit zu verlieren und einsam in der Langeweile des Vertrauten zu versinken. Ich will Abwechslung; ich will etwas ausprobieren und experimentierfreudig bleiben. Insbesondere in Bezug auf Essen, Hobbies und vor allem: Urlaub! Dabei kommt es natürlich auf die richtige Balance an.
Auch ich brauche ein Basecamp, ein sicheres Zuhause, wo ich die Energie für die Herausforderungen, die ich mir stelle, auftanken kann. Aber eben nicht dauerhaft.
Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Sicherheit sind immer damit beschäftigt, ihr Leben unter Kontrolle zu halten. Sie wollen sich möglichst vor allen Überraschungen schützen und haben dabei die Lebenseinstellung, dass in eingefahrenen Bahnen zu laufen einfach gut tut und hoffentlich immer alles beim Alten bleibt. Damit tappen sie aber zwangsläufig in die Falle, die dann irgendwann mit Sätzen wie ‘Dafür bin ich zu alt’, ‘Das verstehe ich sowieso nicht mehr’ oder ‚Das ist nichts mehr für mich’ enden. Damit hat man dann endgültig seine Leistungsgrenzen definiert, ohne auch nur irgendetwas im Alter jemals ausprobiert zu haben.
Nein, ich will jetzt nicht am Bungee Seil rumhängen oder Paragliding vom Kilimandscharo machen (bei denen, die mich persönlich kennen, rotiert jetzt das Kopfkino). Ich möchte nur unbedingt neugierig bleiben, Neues ausprobieren und Neues wagen, um dazuzulernen. Ich möchte die Fähigkeit trainieren, mich auf neue Situationen flexibel einstellen zu können und innerlich resilient zu bleiben. Es mag sein, dass man sich dabei körperlich und technisch auch mal überfordert. Das ist mir letztens während ein paar Tagen in Marokko auch schon passiert. Oder auch hier, beim Aufbau der Domain. Dann muss man es eben etwas langsamer angehen lassen oder braucht halt etwas mehr Geduld.
Aber solange Mr.Nero noch rollt und der Kaffee heiß ist, geht es immer weiter vorwärts. Bloß kein Stillstand, keine Langeweile, keine Gleichförmigkeit und auch keinen Alltagstrott.
